
Am 31.03.2026 fand ein Meinungsaustausch zu Problemen, Brennpunkte und Lösungsansätzen rund um die Isar statt.
Dr. Karl Probst, 1. Vorsitzender des Vereins „Rettet die Isar jetzt!“ hat zu diesem Gespräch eingeladen.
Vertreten waren:
- Verein „Rettet die Isar jetzt!“ e.V.
- Fischereiverein Lenggries e.V.
- Bezirksfischereiverein Bad Tölz e.V.
- Fischereiverband Oberbayern e.V.
- LBV – Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V.
- Isartalverein München e.V.
- Franz Seibold (Fellerbauer): Fischrecht an der Isar
- Landratsamt Bad Tölz Wolfratshausen mit den Sachgebieten Boden und Wasser, Umwelt und Fischereirecht sowie Isarrangern
Der Fischereiverein Lenggries hat dankenswerter Weise die Räume seines Vereinsheims in Fall zur Verfügung gestellt.
In einer initialen Runde stellen die Vertreter der Vereine jeweils die aus deren Sicht wesentlichen Probleme dar, die diskutiert werden sollten:
- Störung der insbesondere Flachwasserzonen durch Overtourismus, insbesondere Bootsfahrer (Flachwasserzonen dienen insbesondere als Laichplätze und als Kinderstube für Jungfische): Badetourismus insbesondere in flachen Uferbereichen, Boote werden über die Flachwasserbereiche gezogen (nicht getragen), was aufgrund der Häufigkeit den Lebensraum für Jungfische zerstört
- Kaum verfügbare Ruhezonen für Fische (z.B. Gumpen) insbesondere durch Event-Tourismus auf der Isar (Bootsfahrer)
- Im Umkreis südlich und nördlich von München gibt es erhebliche Schäden im Naturschutzgebiet durch Mountainbiker
- Gewerbliche Bootsverleiher, die den Bootstourismus fördern ohne die Kunden auf die Regelungen des Naturschutzes ausreichend hinzuweisen
- Müll durch Tourismus (Glasflaschen, kaputte Boote u.a.)
Seitens Landratsamt wurde eingeordnet: Es gibt ein Grundrecht des freien Zugangs zur Natur; das gilt auch für Bootsfahrer für den Gemeingebrauch. Einschränkungen in diesem Bereich müssen sehr gut begründet werden. Anders verhält es sich mit dem gewerblichen Bootsbetrieb. Hier greift die Bootsverordnung (seit 2019 in Kraft) und das Landratsamt lässt außer den bestehenden 10 Anbietern keine weiteren Anbieter mehr zu. Weiter wurde darauf hingewiesen, dass durch eine Neuregelung die Fischeraufseher nunmehr in einem größeren Wirkungsbereich (200 zum Gewässer) tätig werden und Ordnungswidrigkeiten ahnden können.
Das Landratsamt hat sich ein Monitoring der aktuelle Situation zum Ziel gesetzt, um herauszufinden, an welchen Schwerpunkten ggf. nachgesteuert werden muss.
Von Bestrebungen zu einer Anpassung der Bootsverordnung rät das Landsratsamt ab: es bestehe immer das Risiko, dass die Bootsverordnung komplett gekippt wird. Stattdessen sollte im Vollzug nachgeschärft werden.
Die Vereine machten folgende Vorschläge zur Verbesserung der aktuellen Situation:
- Flachwasserzonen sollen ausgewiesen werden (z.B. auf Karten und / oder in einer App) und könnten bei Bedarf zeitweise abgesperrt werden (um die Boote in der Fahrrinne zu halten).
- Komplette Sperrung der oberen Isar für Bootsfahrer zwischen Wallgau und Sylvensteinspeicher (da hier ein besonders schützenswertes Gebiet vorliegt)
- Das Monitoring sollte nicht nur die Anzahl der Boote umfassen, sondern auch Verletzungen der Bootsverordnung (z.B. Gumpenspringen, Störung von Flachwasserzonen) und gewerbliche Bootsverleiher
- Das Monitoring sollte um Untersuchungen ergänzt werden, um z.B. Flachwasserzonen ausweisen zu können
- Aufklärung sollte fortgesetzt werden (z.B. für Kinder, oder an Einstiegsstellen)
- Sperrung der Isar für den Bootsbetrieb an Hitzetagen (wenn das Wasser z.B. über 21 Grad warm wird, was insbesondere die größeren Fische stresst) – das wären vermutlich nur sehr wenige Tage im Jahr; auch dazu wäre eine Studie erforderlich
- Ruhebereiche für Fische sollen geschaffen und ausgewiesen werden; diese könnten bei Bedarf abgesperrt werden
- Ausweis der oberen Isar als Naturschutzgebiet (wird bislang anscheinend aus politischen Gründen nicht gemacht)
- Schaffung eines runden Tisches zu den angesprochenen Themen mit Vertreter des Landratsamts, der Ranger und Vereinen, die sich um Naturschutz und Fischerei an der Isar kümmern
Der offene Meinungsaustausch wurde von allen Beteiligten positiv wahrgenommen und sollte fortgesetzt werden. Insbesondere die Ergebnisse der Untersuchungen, Studien und des Monitorings, die im Lauf des Gesprächs benannt wurden, sollten in einem Folgegespräch vorgestellt und bewertet werden.
