
Von den rund 300 Mitgliedern des Vereins waren neben einigen Gästen zur Hauptversammlung von „Rettet die Isar jetzt!“ die Vertreter einer Reihe politischer Gremien und Vereinigungen gekommen. Neben dem Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher und dem Bad Tölzer Zweiten Bürgermeister Michael Lindmair, die beide dem Vorstand angehören, waren auch Landrat Josef Niedermaier und der Lenggrieser Zweite Bürgermeister Franz Schöttl gekommen, dazu die Vertreter des Isartalvereins, der Kreisgruppen von Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz, der Fischereivereine von Bad Tölz und Lenggries und nicht zuletzt des Wasserwirtschaftsamts und einige Naturschutz-Ranger. Von Anfang an war „Rettet die Isar jetzt“ mit Ausrufezeichen nicht einfach ein Verein, sondern eine „Notgemeinschaft“, der im Isarwinkel und darüber hinaus die Isar entlang sowohl nach Süden wie auch nach Norden eine Reihe von Gemeinden, der Landkreis und Naturschutzverbände angehören, und deshalb politiklastig.
Heute wie damals in den 1970er und 80er Jahren, als es um die dann 1990 realisierte Teilrückleitung von Isarwasser am Krüner Wehr ging, durchzieht der Konflikt zwischen der Wassernutzung zu Energieerzeugungszwecken und der Kehrseite an negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft den Verein bis heute, da beide Seiten bzw. das Verständnis für beide Seiten im Verein repräsentiert sind. Entsprechend ergab sich auf den Vortrag des eingeladenen Referenten Dr. Leonhard Egg eine kurze spontane Diskussion. Der Verein hatte Dr. Egg von der Fischereiberatung des Bezirks Oberbayern zu einem Kurzvortrag über den Sachstand an der Isar in Sachen Fischbiologie und die Auswirkungen von Wehranlagen sowie Kraftwerken am Fluss eingeladen. Wenig überraschend konnte man das Resumée ziehen, dass Wasserkraftwerke die Fischpopulationen schädigen. Interessanter waren die vielfältigen Formen dieser Auswirkungen und auch die Erkenntnisse, wie man durch Anpassungen die Schädigungen reduzieren kann. Für die Versammlungsteilnehmer war die fachliche Tiefe ebenso beeindruckend wie die Bandbreite der Blickwinkel auf die Thematik.
Zuvor hatte der Vorsitzende von „Rettet die Isar“, Dr. Karl Probst, in seinem Jahresbericht das Augenmerk auf die wesentlichen Entwicklungen gelenkt. Vor dem Hintergrund der zum Jahr 2030 anstehenden Neukonzessionierung des Walchenseekraftwerks, von der übergreifend eine Verbesserung der Restwassermengen und -dynamik für alle betroffenen Gewässer erwartet wird, versucht der Verein, sich einzubringen. Aktuell sei man in Person des Lenggrieser Bürgermeisters Stefan Klaffenbacher im Arbeitskreis „Geschiebe“ eingebunden. Das „Geschiebe“ kennt jedermann, der im Isarbett Bagger Kieshaufen bewegen sieht – was die Isar seit 100 Jahren nicht mehr selbst erledigt, weil man Dämme errichtet hat – in der Isar in Krün, am Sylvenstein, in Bad Tölz, aber auch im Rissbach, in der Dürrach, Walchen, Jachen und weiteren Zuflüssen. Derzeit werde, so Dr. Probst, ein numerisches Modell mit einem riesigen Bedarf an Rechnerkapazität erstellt, das Prognosen für den Zustand der oberen Isar und ihrer Zuflüsse ermöglicht, und zwar für in zehn, 20 und 80 Jahren. Dabei gehe man von drei Szenarien aus: A) Die Ableitungen bleiben wie sie sind (25 m3/s), B) das Krüner Wehr wird vollständig entfernt und C) die Menge von 15 m3/s wird abgeleitet und alles darüber hinaus verbleibt im Isarbett. Man sei sehr gespannt, was bei diesen Berechnungen herauskomme.
Dr. Probst betonte, dass man lediglich einen Einblick in die Vorbereitungen des Umweltministeriums auf die Neukonzessionierung habe. Beim letztendlichen wasserrechtlichen Verfahren werde dann auch die Wirtschaft – nicht nur das Ministerium, sondern auch etwa die IHK – ihre Stellungnahmen abgeben. Landrat Josef Niedermaier warf zu diesem Punkt ein, dass sich bis dato noch niemand um den Weiterbetrieb des Walchenseekraftwerks beworben habe. Wie allgemein erwartet, rechnet auch er damit, dass sich der Betreiber UNIPER erst im letzten Moment bewerben wird. Da der Freistaat in den 1990er Jahren das in staatlicher Hand befindliche Walchenseekraftwerk an einen privatwirtschaftlichen Betreiber veräußert hatte, ohne sich ein Heimfallrecht zu sichern, gibt es auch keine Chance auf einen Bieterwettbewerb, da sich die wesentlichen zum Walchenseekraftwerk gehörigen Anlagen im Eigentum von UNIPER befinden. UNIPER, das in der Hauptsache im Bereich der Gasversorgung tätig ist, musste bekanntlich von der Bundesrepublik übernommen werden, um das Zusammenbrechen der Gasversorgung zu verhindern. UNIPER gehört derzeit dem Staat.
Genau deshalb, so Dr. Probst, habe man in den letzten Jahren vielfach den Kontakt zu allen betroffenen Ministern und Fraktionen gesucht, im Wahlkampf sie um ihre Position zum vielfach geforderten Rückkauf der bayerischen Wasserkraftwerke in die Hand des Freistaats Bayern gebeten. Gekommen sei wenig Konkretes, und in der Erinnerung sei die plakative Formel des Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder geblieben: „Bayerische Energie in bayerische Hand“. Dass er sich damit nur auf die Heimfall-Thematik beziehen will, ist für die Öffentlichkeit wohl schon wieder zu kompliziert, doch der markige Spruch schadet denen, die es ernst meinen mit dem Rückkauf: Der Bund soll die bayerischen Wasserkraftwerke aus dem Unternehmen UNIPER ausgliedern und an das Land Bayern verkaufen. Dr. Probst forderte mehr Transparenz bei dieser Thematik, die sicherlich politisch und in den Ministerien behandelt wird, man aber nichts erfahre, und er betonte: „Die Naturkräfte eines Landes gehören in die eigene Hand!“
Man habe schließlich im Herbst 2024 eine Onlinepetition gestartet, die dann mit rd. 5000 Unterzeichnern an den Landtag eingereicht wurde. Am 20. Februar wurde über diese Petition dann im Umweltausschuss debattiert; „Berichterstatter“ über diese Petition war der Abgeordnete Thomas Holz aus unserem Wahlkreis. Auch dabei wurde die Rückkauf-Thematik geschmeidig als „Heimfall“ tituliert, als ob es ein und dasselbe sei – ist es nicht! Immerhin, so Dr. Probst, der als einziger Vertreter des Vereins zu der Sitzung zugelassen war, sei die Petition nicht abgelehnt worden. Allerdings sorgten die Vertreter der CSU, Freien Wähler und AfD dafür, dass die Petition als sog. „Material“ der Regierung zugeleitet wurde – weiterer Verbleib völlig ungeklärt. Grüne und SPD hatten vergeblich dafür votiert, die Petition an das Landtagsplenum weiterzuleiten.
Man nennt das die „Mühlen“ der Verwaltung, und es stecken eine Menge Politik und wirtschaftliche Interessen in der Wasserkraft. Die Versammlungsteilnehmer von „Rettet die Isar jetzt!“ kennen das Frustrationspotential ihrer aller Eintreten für eine wieder lebendigere Isar schon lange und zur Genüge. Sie konnten guten Gewissens die einwandfreie Kassenverwaltung von Fritz März umsetzen in eine Entlastung ihrer Vorstandschaft, auf dass diese auch weiterhin den Kampf ums Wasser führe.
